www.welt.de (12.11.2008)

Musicke & Mirth: Feuer und Bravour (Ramée) - Ziemlich historisch abgegessen ist eigentlich auch die Gambenmusik - wäre sie in letzter Zeit nicht von Hille Perl und anderen wieder kräftig belebt worden. Sie beschränkte sich keineswegs auf Renaissance und Frühbarock, wie jetzt das 1997 in Basel von Jane Achtman und Irene Klein gegründete Duo Musicke & Mirth auf seiner reizvollen jüngsten CD "Feuer und Bravour" vorführt. Denn besonders am in Kunst- und Ausstattungsfragen unter Friedrich dem Großen ein wenig dem Zeitgeschmack hinterherhinkenden Berliner Hof war nicht nur die Querflöte, sondern auch die Gambe oder Kniegeige als Instrument höfischer Unterhaltungsmusik und salonhafter Divertissements gefragt. Was sich sogar noch unter dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm II., selbst ein passionierter Spieler dieser Streichinstrumente, steigerte. Aus den reichhaltigen Berliner Notenbibliotheken gibt es hier eine so abwechslungsreiche wie überraschende Auswahl von Benda, Schaffrath und Graun zu hören. Besonders schön: die opulenten Opernbearbeitungen von Ludwig Christian Hesse, dem wohl besten Gambenvirtuosen seiner Zeit.

Manuel Brug