Toccata nr. 34 (2008)
Johann Christoph Pez (1664-1716) ist viel
weniger bekannt als Fischer, und dennoch ist sein Oeuvre schon Anfang des 20.
Jahrhunderts Gegenstand musikwissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. Ein
Teil seines Schaffens wurde sogar veröffentlicht. Aus irgendeinem Grund
hat das in der Musizierpraxis keinen Widerhall gefunden. Das hat sich mit der
Einspielung vos Les Muffatti geändert. Auf einmal liegen jetzt sechs Instrumentalwerke
vor, hier in Orchesterbesetzung gespielt (was sich aus den Quellen begründen
lässt, wie Peter Van Heyghen in seiner informativen Programmerläuterung
zeigt). Pez ist ein typischer Vertreter des »vermischten Geschmacks«,
obwohl eines seiner hier eingespielten Werke in jeder Hinsicht französisch
von Charakter ist. Französische Einflüsse gibt es auch in anderen
Werken, z.B. die Chaconne im Concerto grosso in g-moll. Zugleich gibt es starke
Einflüsse des italienischen Stils, insbesondere der Werke von Corelli.
Die Concert Sonata in F-Dur fängt mit einem wunderschönen expressiven
Adagio an, und enthält ganz im Sinne Corellis einen Fugasatz.
Peter Van Heyghen behauptet, die Musik von Pez könne sich mit dem Besten
seiner Zeit messen. Ich denke, dass er Recht hat. Und die von ihm geleitete
Aufnahme ist durchaus geeignet, dieses positive Diktum zu unterstreichen. Das
Orchester spielt hervorragend, sehr differenziert, lebendig und ausdrucksstark.
In den Überlegungen zur Interpretation ist man sehr sorgfältig zu
Werke gegangen, und das hat sich sicherlich gelohnt. Eine ebenso überraschende
wie schöne Aufnahme, die hoffentlich dazu führt, dass Pez seinem richtigen
Plaz zugewiesen wird und auch seine Spuren im Konzertleben hinterlassen wird.
J.v. Veen