Salzburger Nachrichten (28. April 2007)
STRENGE SCHÖNHEITEN
Strahlendes Weiß ist edles Design. Rainer Arndt wählt es für die Hüllen seiner eleganten CDs, die nach einem erlesenen Konzept wunderbare Beispiele Alter Musik enthalten. Sein Label "Ramée" (Österreichvertrieb: Gramola) ist tatsächlich ein "grüner Zweig" (lat. ramus) im Garten der Tonträger. Spätmittelalterliche Chansons aus Zypern ziert ein venezianisches Schmuckkästlein mit feinsten Elfenbeinfiguren aus dem 15. Jahrhundert. Johann Matthesons Cembalosuiten schmückt eine deutsche Taschenuhr des 17. Jahrhunderts. Die feine Sammlung von Werken von Komponistinnen des Seicento ziert eine anatomische Frauenfigur aus der University of Alabama in Birmingham und über das Cover zu Georg Muffats Armonico Tributo spannt sich freigestellt wie eine grafische Notiz die Jacques-Gabriel-Brücke im französischen Blois.
So eingestimmt, "betritt" der Hörer das Innere der Plattenalben - und liest sich schnell an vorzüglichen Einführungstexten fest, die die nötigen Detailinformationen mustergültig in kulturgeschichtliche Hintergründe der jeweiligen Musikthemen einbetten. Solche Sorgfalt und Liebe zum Detail findet sich selten im Geschäft, das sich sonst gerne krankjammert. Selbst Texte von Interpreten, sonst oft ein (Schreib-)Krampf, sind eloquent lesbar.
Was auf den Silberscheiben Musik wird, folgt dem unaufgeregt-klugen Konzept des gesamten Labels. Rainer Arndt ist selbst Barockgeiger, spielt in renommierten Ensembles, kennt also die "Szene" als Insider. Er arbeitet auch als Tontechniker für Labels wie "Raumklang" und kann wohl für seine eigenen Projekte punktgenau auf Musikerinnen und Musiker zählen, die seine Leidenschaften teilen.
Deswegen hat jede der bisher 13 Veröffentlichungen einen eigenen, spezifischen "Geschmack". Ob Solisten und Ensembles aus dem Umkreis der Basler Schola Cantorum, der deutschen oder der rührig-lebhaften niederländischen Alte-Musik-Szene, ob "alte Hasen" wie der Bassist Peter Kooij oder von weit her kommende Spezialisten wie der brasilianische Cembalist Cristiano Holtz: Sie machen jedes Produkt in sich in strenger Schönheit stimmig, informativ und sensitiv zu kundigen Vergnügungen.
Aus Sicht der österreichischen Musikgeschichte sind die Einspielungen von Georg Muffats Sonaten, von Kantaten, Sonaten und Arien Antonio Caldaras und - ausgreifend in frühromantische, schubertisch anmutende Gefilde - die süffig strömende Kammermusik für Fortepiano, Klarinette und Violoncello von Anton Eberl von besonderem Reiz. Ohren auf, liebe Leser!Info im Internet: www.ramee.org
Karl Harb