Potsdamer Neueste Nachrichten (05.12.2008)
Erfrischender
und überzeugender lässt sich kaum ein Klischee widerlegen. Mit breiter, vor
Selbstbewusstsein strotzender Brust werfen sich die beiden Gamben in die Ouvertüre
von Royers Oper „Zaïde“, um nach wenigen Takten schon in neckische Verspieltheiten
zu verfallen. Das klingt erfrischend in seinem Wechsel von tänzerischer Strenge
und der Ausgelassenheit eines Kostümballs. Töne, so licht und wärmend wie Sonnenstrahlen,
die Jane Achtman und Irene Klein auf „Feuer und Bravour. Die Viola da gamba
am Hofe Friedrich des Großen“ spielen. Nach der knapp vierminütigen Ouvertüre
erst einmal die Stop-Taste amheimischen CD-Spieler gedrückt. Das soll die für
ihre Langeweile und Behäbigkeit gerühmte „Berliner Schule“ sein?
Jane Achtman kennt dieses hartnäckige Vorurteil, dass manchen der seit dem 18.
Jahrhundert im Berliner Raum entstanden Kompositionen anhaftet. Die von ihr
und Irene Klein im vergangenen Jahr eingespielte und im November beim Aachener
Label Ramée erschienene CD „Feuer und Bravour“. Die Viola da gamba am Hofe Friedrich
des Großen“ ist eine unanfechtbarer Beweisführung in 21 Stücken, wie lebhaft
diese „Berliner Schule“ im Grunde war.
Vor 14 Jahren kam Jane Achtman zum ersten Mal mit den für Gamben arrangierten
Opernkompositionen in Berührung. In Berlins Bibliotheken liegen zahlreiche Manuskripte
solcher Arrangements die zeigen, dass sowohl unter Friedrich der Große (1712-1786)
als auch unter seinem Thronfolger Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) die Viola
da Gamba einen hohen Stellenwert am Hofe hatte. Einer der größten Virtuosen
dieser Zeit lebte sogar am Hofe: Ludwig Christian Hesse.
Mit dessen Arrangement der „Zaïde“-Oper eröffnen Achtman und Klein, seit 1997
zusammen als das Duo Musicke & Mirth sehr erfolgreich, ihre CD. Neben Hesse
sind Christoph Schaffrath, Johann Gottlieb Braun und Cembalo- Sonaten von Georg
Anton Benda zu hören. Zusammen mit der Cembalistin Barbara Maria Willi und der
Cellistin RebekaRusólassenMusicke& Mirthreizvolles, voller überraschender musikalischer
Details steckendes Panorama entstehen.
Jane Achtman hofft, dass Musicke & Mirth mit „Feuer und Bravour“ auch in Potsdam,
im Schlosstheater am Neuen Palais, bald zu erleben sind. Denn gerade hier, wo
diese Musik vor über 200 Jahren entstand und gespielt wurde, ist ein solches
Konzert eine Pflicht!
Dirk Becker