www.magazine.klassic.com (07. November 2008)
BACH SPRICHT...
Interpretation, Klangqualität, Repertoirewert: * * * *
Booklet: * * * * *
...noch heute. Besonders deutlich und ausdrucksstark vermag
er dies auf einer neuen Aufnahme von seinen Partiten I-VI (BWV 825-830), eingespielt
vom französischen Cembalist Pascal Dubreuil. Dieser fungiert mit Hilfe seines
Instruments als eine Art Übersetzer und vermag es, den hervorragenden musikalischen
Rhetoriker Johann Sebastian Bach wieder für unsere Ohren hörbar sprechen zu
lassen.
Hat man während der ersten der sechs Partiten noch ein wenig das Gefühl, Pascal
Dubreuil müsse sich erst warm spielen, erst in die Gänge kommen, gewährt er
dem Hörer spätestens während der aufwändig komponierten Sarabande der Partita
II vollständigen Zutritt zu dieser besonderen Klangwelt.
In einem sehr gehaltvollen Text informiert der Interpret selbst über die Entstehungsgeschichte
der Werke, deren musikalischen Aufbau und die ihnen zugrundeliegende Symbolik.
Dubreuil setzt sich hier besonders intensiv mit der Partita II in c-Moll auseinander
und vergleicht deren musikalische Rhetorik mit der einer kirchlichen Predigt.
Er betont Bachs Rolle als ‘Musik-Redner’ und analysiert das Stück gekonnt, ohne
sich in für den Leser vielleicht uninteressanten musiktheoretischen Details
zu verlieren. Beim Hören der Partiten wird ebenfalls deutlich, wie ausnehmend
nah dem Musiker wohl jene zweite Partita am Herzen liegen dürfte.
Verwirrend ist leider die Aufteilung der Partiten auf die zwei Tonträger. So
ist die numerische Reihenfolge der Stücke nicht eingehalten und die Partita
VI auf der ersten CD zu finden. Das ist gerade deshalb schade, da die besondere
Abfolge im Text Dubreuils extra herausgestellt und interpretiert wird. Beispielsweise
schreibt er, dass die Ouverture von Partita IV eine Art Mittel-, bzw. Achsenpunkt
der gesamten Komposition darstelle. In der Art, wie die Partiten auf den beiden
CDs verteilt sind, ist das bedauerlicherweise beim Durchhören ohne umständlichen
Wechsel der Tonträger währenddessen nicht mehr nachzuvollziehen.
Musikalisch gesehen bekommt man auf den CDs jedoch eine äußerst gekonnte, virtuos-authentische
und direkte Version von Bachs Partiten zu hören. So sind die Geräusche der Mechanik
beim Umschalten in verschiedene Register zu hören und man hat das Gefühl, als
gäbe Pascal Dubreuil einem ein Privatkonzert, als säße man direkt neben ihm.
Für des einen oder anderen Geschmack dürfte die Aufnahme ein wenig zu viel Hall
haben, was das Ganze etwas kühl wirken lässt. Weiß man jedoch, dass die Partiten
in der Kirche von Notre-Dame de l’Assomption aufgenommen wurden, so trägt auch
der Hall zu dem für diese Aufnahme besonderen Flair bei.
Wieder einmal merkt man hier, wie wichtig es ist, dass sich der Musiker vor
einer Interpretation theoretisch intensiv mit dem Werk auseinandersetzt, es
auseinander nimmt und dann durch sein Spiel wieder zusammensetzt. So gelingt
ein eindringliches Hörerlebnis – wie auf diesen zwei CDs.
Esther Kraß