www.magazine.klassic.com (02. April 2007)      

SCHÖNES AUS DER ZWEITEN REIHE
Interpretation, Klangqualität, Repertoirewert, Booklet: * * * *

Profilierte Künstler sind immer auf der Suche: Wenn das Standard-Repertoire (mehr oder weniger) gespielt und gesungen ist, stellt sich die Frage nach neuen Wegen. Mutige Interpreten wagen sich dann auf neues Terrain an den Rändern des bisher Bekannten und beim Publikum Beliebten. Und wenn es ohne falsche Eitelkeit zugeht, kommt wirklich die Musik zu Wort. So nachzuhören auf der vorliegenden Platte und beim niederländischen Bassisten Peter Kooij.
Der hat in seiner bisherigen Karriere unter dem Dirigat aller Größen der Alten Musik vor allem als Bach-Interpret von Rang zu überzeugen gewusst, hat aber stets auch angrenzende musikalische Felder bearbeitet. Im Programm dieser Platte beschäftigt er sich gemeinsam mit dem Ensemble ‚L’Armonia Sonora’ unter der Leitung von Mieneke van der Velden mit deutschen geistlichen Kantaten des 17. Jahrhunderts, die stilistisch von den italienischen Vorbildern bestimmt sind und gleichzeitig ‚deutsche’ Erfahrungen aufgreifen: Die Musik der Arbeiten von Matthias Weckmann (vor 1619-1674), Johann Christoph Bach (1642-1704), Nikolaus Bruhns (1665-1697), Christian Geist (ca. 1640-ca. 1711) und Benedictus Buns (ca. 1642-1716) lebt vom affektvollen Wechsel der instrumentalen und vokalen Sphäre und entfaltet eine sehr intensive, trostvolle und tief emotionale Ausdrucksstärke, die häufig aus den bedrückenden Lebenserfahrung der im 17. Jahrhundert allgegenwärtigen Kriege und Seuchen gespeist wird. Neben den kompositorisch avancierten Werken Weckmanns oder Bachs stehen auch Kantaten, die in ihrer strophischen Form, etwa bei Christian Geist, noch einfacheren Vorbildern verbunden sind.

Dr. Matthias Lange