Fono Forum (Januar 2008)
EMPFEHLUNG DES MONATS      Empfehlung des Monats Fono Forum
MUSIK UND KLANG: * * * * * (hervorragend)
FASZINIEREND DAZWISCHEN

Johann Christoph Pez (1664-1716) wurde 1725 von Telemann zu den besten deutschen Komponisten gezählt. Er selbst wirkte in München, Bonn, Lüttich und Stuttgart, seine Werke waren bis in die Niederlande und nach England verbreitet, und kein Geringerer als Bach führte Werke von Pez in Weimar und Leipzig auf. Dass sein Name heute nur Spezialisten geläufig ist, mag daran liegen, dass seine Kompositionen in keine Schublade passen. Doch genau das macht den außerordentlichen Reiz der vorliegenden Aufnahme aus, die einen Querschnitt durch Pez' Orchesterwerk zieht: Einige Sätze sind im französischen Stil geschrieben und entsprechend instrumentiert, andere lassen in der Virtuosität der Solo-Geigen Stradella und Corelli als klassische Vorbilder erkennen, wieder andere erinnern an den jungen Händel in seiner Hamburger Zeit oder an den Stil, den Telemann in Frankfurt pflegte. Diese Vielfalt darf nicht als Mangel an musikalischer Persönlichkeit missverstanden werden, sondern zeigt, dass Pez noch mehr als sein etwas bekannterer Zeitgenosse Muffat verschiedene Idiome souverän beherrschte und den jeweils verlangten Ton punktgenau traf.
Eine solch kenntnisreiche Souveränität zeichnet auch das belgische Ensemble Les Muffatti aus, das genau weiß, wann die Bassstimme mit einem Violoncello, wann mit einem "basse de violon" zu besetzen ist, in welchen Fällen die Oktavierung mit einem 16-Fuß-Instrument historisch angemessen ist, wann ein italienisches Cembalo besser passt als ein französisches und so weiter. Überdies werden hier alle Details so liebvoll gestaltet und so sorgsam wieder in einen warmen, ausgewogenen Ensembleklang integriert, dass man spürt, wie fasziniert die Interpreten von der unbekannten, aber sehr gehaltvollen Musik sind.

Matthias Hengelbrock