Fono Forum (Januar 2006)
EMPFEHLUNG DES MONATS
MUSIK UND KLANG: * * * * * (hervorragend)
SENSIBLE KLANGKULTUR
Georg Muffats
»Armonico tributo« besteht aus fünf fünfstimmigen Streichersonaten,
die der Komponist 1682 unmittelbar nach seiner Rom-Reise veröffentlicht
hat. Sie bieten, gewissermaßen als Kondensat der ausgiebigen Studien in
Paris, Wien, Prag und Rom, eine gelungene Synthese französischer, süddeutscher
und italienischer Stilelemente. Aus den detaillierten Beschreibungen der jeweiligen
Aufführungspraxis, die Muffat seinen Publikationen mehrsprachig voranstellte,
ist sein Bestreben zu erkennen, dem Musikleben in ganz Mitteleuropa neue Impulse
zu versetzen. Bezeichnend ist, dass er dabei einerseits höchsten Wert auf
das richtige Tempo, den richtigen Bogenstrich und die richtige Artikulation
legt, andererseits in Besetzungsfragen den Musikern große Freiheiten lässt.
So kann man den »Armonico tributo« rein solistisch spielen, wie
es The Parley of Instruments (Hyperion) und Ars Antiqua Austria (Symphonia)
getan haben, oder in einer »römischen« Mammutbesetzung, wie
sie das Ensemble 415 vorgestellt hat (Harmonia Mundi France), oder mit einem
kleinen Kammerorchester, wofür sich La Stravaganza Köln (MDG) und
nun auch Les Muffatti entschieden haben.
Jede Version hat ihren Reiz, doch insgesamt hinterlässt die vorliegende
Neueinspielung den bei weitem besten Eindruck. Dies liegt nicht nur an der bemerkenswerten
Ensemble-Homogenität, sondern vor allem daran, dass Peter Van Heyghen mit
seinen Musikern die Eigenarten der jeweiligen Stilelemente am deutlichsten herausarbeitet.
Die Eleganz der französischen »inégalité« ist
dabei ebenso bestechend wie der italienische Schmelz und die süddeutsche
Geigenvirtuosität. Außerdem warten Les Muffatti mit einer sensiblen
Klangkultur belgischer Provenienz auf, die dieser geschmeidigen Musik höchste
Gerechtigkeit widerfahren lässt.
Matthias Hengelbrock