www.drehpunktkultur.at (4 Januar 2008)
HOCH- UND TIEFGANG
Die Triosonaten der Geschwister Pla, zur Mitte des 18. Jahrhunderts
gefeierter Oboen-Virtuosen, gehören letzterer Kategorie an. Da kann man
gar nicht anders, als auf das Vokabular eines Sportreporters umzusteigen: also
von Bällen sprechen, die die beiden Spieler einander fintenreich zuspielen;
die sie mit Energie zurückschlagen; und manchmal tricksen die beiden Spieler
mit dem Ball. Das hat wirklich etwas durch und durch Sportliches.
Joan Baptista und Josep Pla entstammten einer katalanischen Musikerfamilie,
sie zogen als reisende Virtuosen durch Europa, allein und zu zweit. Der galante
Stil war gerade in Mode gekommen und das Musikleben begann mit einem
erstarkenden Bürgertum »öffentlich« zu werden.
Wieselflinke Gespräche, launige Winkelzüge einer durch und durch »spielerischen«
Musik: Da sind die Musiker des Ensembles »Rossi Piceno« in ihrem
Element. Bestens trainiert und gut aufgestellt: Emiliano Rodolfi und Andreas
Helm, Oboe; Marian Minnen, Violoncello; Raul Moncada, Cembalo). Zu ihnen kommen
noch Ayako Matsanuga (Violine) und Wim Maesele (Theorbe, Gitarre). Die Triosonaten
lodern wie Strohfeuer, die Emotionen gehen hoch, obwohl die Musik alles andere
als Tiefgang hat.
Für eine ganz andere Welt steht die Kammermusik von Christoph Schaffrath
(1709-1763). Obwohl er, ein Cembalist, immer ganz nahe dran war an den Meistern
des galanten Stils, an Carl Philipp Emanuel Bach, an Quantz, an Benda und den
anderen an den Höfen von Preußen und Sachsen, traf ihn rasch die
Keule des Vergessen-Werdens. Nicht nur die Nachwelt hat seinen Namen aus dem
Gedächtnis gestrichen, vielleicht schon die Zeitgenossen. Und doch: ein
erfindungsreicher Kammermusiker, der abwechslungsreiche, gediegene Werke hinterlassen
hat, die keineswegs nur in die Ohren plätschern.
»Epoca Barocca« heißt das Ensemble mit Alessandro Piqué
(Oboe), Sergio Azzaloni (Fagott), Margarete Adorf (Violine), Ilze Grudule (Violoncello),
Hartwig Groth (Viola da Gamba) und Christoph Lehmann (Cembalo). Mit viel Charme
und hoher Dialogbereitschaft ziehen sie den Hörer hinein in diese Triosonaten
mit Violine und Oboe, mit Violine und Fagott, in Solosonaten für Cello,
Gambe, Oboe.
Christoph Schaffrath hier und die Brüder Pla dort: So unterschiedlich kann
»Unterhaltungsmusik« klingen.
Reinhard Kriechbaum