| RAMÉE |
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| Mistress Elizabeth Davenant, her Songes | ![]() |
Diese faszinierende Sammlung ist symbolisch gesehen sowohl Gipfel als auch Dreh- und Angelpunkt, Ende und Anfang, und dies
in vielerlei Hinsicht. Sie hat mit Emanzipation weiblicher Schöpferkraft zu tun, auch mit der dynamischen Veränderung der
Gesellschaft im turbulenten 17. Jahrhundert, vor allem aber mit Kreativität auf den Gebieten der Dichtkunst, der Musik und der
künstlerischen Darbietung. Eine führende Rolle bei der unaufhaltsam voranschreitenden Emanzipation der Frau spielten die
Adelsfamilien, ja sogar das Königshaus: Königin Elisabeth selbst ebnete den Weg, und das mit Stil. Die in Oxford ansässige und
in die stürmischen 1620er Jahre hineingewachsene Elizabeth Davenant entstammte einer sehr interessanten Kaufmannsfamilie.
Ihr Vater John Davenant war nicht nur der bedeutendste Weinhändler des Ortes, sondern wurde sogar Bürgermeister von
Oxford. Elizabeths Bruder William wurde später als Sir William Davenant als ein weithin angesehener Dramatiker das
berühmteste Familienmitglied.
Elizabeth Davenants Manuskript wurde um 1624 in Oxford zusammengestellt. Der Hof Karls I. hatte London mit seinen Seuchen,
seinem Qualm und Lärm und dem immer stärker werdenden Druck religiöser Extremisten verlassen und war nach Oxford
gezogen, das zum Zentrum des führenden künstlerischen Geschmacks wurde. All das scheint Elizabeth Davenants Manuskript
vorwegzunehmen – was heute wie eine bescheidene private Sammlung scheint, gehörte damals zur Avantgarde. Diese eklektische
Sammlung bietet einen wunderbaren Überblick über den wechselnden Geschmack der 1620er Jahre. Mit den Werken von
Thomas Campion blickt sie zurück auf das „goldene Zeitalter“ des Lautenliedes, geht mit den Liedern Robert Johnsons mit ihrem
stark theatralischen Kontext über zur darauf folgenden Generation, widmet sich aber ebenso der jüngsten Generation der
„Kavalierdichter“ wie Robert Herrick und deren zeitgenössischen Vertonungen von John Wilson und Henry Lawes. Wir wissen
nicht, in welchem Ausmaß Elizabeth Davenant an der Auswahl beteiligt war. War ihr Lehrmeister der Verfasser oder hat sie es in
Auftrag gegeben? Wie auch immer die Auswahl der Lieder zustande kam, deutlich ist, dass sie ganz bewusst für eine talentierte
junge Dame konzipiert wurde. Schaut man sich einige Stücke etwas näher an, so findet man außergewöhnlich komplexes
Gedankengut in den Versen, das musikalisch sehr wirkungsvoll umgesetzt wird. Der hohe Anspruch der Verzierungen in
zahlreichen Gesangsstücken der Sammlung lässt auf eine profunde Kenntnis der verschiedenen Gesangs- und Vortragsstile in den
1620er Jahren schließen. Offensichtlich verfügte Elizabeth Davenant über virtuose gesangliche Fähigkeiten (warum sonst sollte
der Verfasser so reiche Verzierungen eingearbeitet haben), und auch das Oxforder Publikum, das ihren Aufführungen beiwohnte,
war offenbar hinreichend musikalisch gebildet, um solche stimmliche Virtuosität würdigen zu können.

Nach ihrem Studium der Romanistik und Slawistik an der Universität Oxford studierte REBECCA
OCKENDEN Gesang am Centre de Musique Baroque in Versailles. Sie debütierte am Théâtre des Champs-Elysées in der Rolle der
Barbarina in Mozarts Figaros Hochzeit unter der Leitung von Jean-Claude Malgoire, danach sang sie die Zerlina in
Don Giovanni und Pamina in Die Zauberflöte. Weitere Bühnenauftritte waren Telemanns Der Geduldige Socrates,
Purcells The Fairy Queen an der Opéra de Lyon, Lullys Roland am Théâtre des Champs-Elysées und Kagels Aus
Deutschland in Wiesbaden. William Christie engagierte sie als Solistin mit Les Arts Florissants für Purcells King
Arthur in den USA, für Monteverdis Madrigale zu einer Choreographie von Jirí Kylián an der Pariser Opéra Garnier
sowie für die Rolle der Juno in Monteverdis Il Ritorno d'Ulisse in Patria in Paris, London, Wien und New York. Mit
Les Arts Florissants spielte sie Les Grands Motets von Desmarest und Zéphyre von Rameau ein. Rebecca Ockenden
lebt zur Zeit in Basel und ist als Interpretin für Oratorienaufführungen ebenso wie für Soloabende sehr gefragt.
Gemeinsam mit Sofie Vanden Eynde entdeckte sie in den letzten Jahren das Lautenlied für ihr Repertoire.
SOFIE VANDEN EYNDE
wurde in Belgien geboren. Sie lernte von klein auf Gitarre spielen, und ihr starkes
Interesse für die poesievolle Musik der Renaissance und des Barock führte sie zum Studium der Laute und
Theorbe. Sie studierte bei Philippe Malfeyt am Konservatorium Gent und schloss 2002 mit Auszeichnung ab. Ein
Aufbaustudium bei Hopkinson Smith an der Schola Cantorum in Basel schloss sich an. Sofie Vanden Eynde hat
sich einen internationalen Ruf als Spezialistin für historische Zupfinstrumente erworben. Sie tritt regelmäßig mit
Ensembles wie Le Tendre Amour, Encantar, Musica Favola und The Queen's Consort auf. Mit ihrem Ensemble
Le Jardin Secret gewann sie bei den York Early Music International Young Artists Competitions 2007 sowohl den
ersten Preis als auch den Publikumspreis. Die erste CD des Ensembles erschien im Juni 2008, die zweite im
Oktober 2009. Sofie ist auf renommierten Festivals zu hören, u.a. auf dem Festival van Vlaanderen, Styriate,
Festival de Musique Ancienne de Sarrebourg, Netwerk Oude Muziek, Brighton Early Music Festival, Suffolk
Villages Festival, Euroconcert, Musica Sacra, Dag van de Oude Muziek und dem Händel Festival. 2006 bekam sie
zur Anerkennung ihrer künstlerischen Leistungen den Kulturförderpreis ihrer Heimatstadt Lommel.