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Das musikalische Leben in Europa von etwa 1400 bis 1550 wurde von fünf Musikergenerationen geprägt, die in einer klar abgegrenzten Region geboren und ausgebildet wurden - einem Gebiet, das von der Musikwissenschaft der Einfachheit halber als »franko-flämisch« bezeichnet wird. Aus ihnen ging die überwältigende Mehrheit der musikalischen Elite der Renaissance hervor - berühmte Komponisten und zu Höchstpreisen von Mäzenen aus ganz Europa angeworbene Sänger und Musiker. Die im Süden dieses Gebietes liegende Picardie bot einen fruchtbaren Boden für talentierte Sänger und Komponisten. Die Kathedrale und die Stiftskirchen von Amiens sowie die Kapitel der Kirchen der Picardie sorgten für die Ausbildung der Chorknaben, die, wenn sie sich als begabt erwiesen, entweder ihre Karriere in den Kirchen fortsetzten, oder - als Zeichen höchster Anerkennung - an die privaten Kapellen der größten europäischen Herrscher berufen wurden. Mit fünf Komponisten verschiedener Generationen und unterschiedlichen Ranges vermittelt uns das vorliegende Programm religiöser Musik ein recht umfassendes Bild davon, wie das musikalische Leben einer auf diesem Gebiet produktivsten Provinzen Frankreichs im 16. Jahrhundert ausgesehen haben könnte.
Das Ensemble ODHECATON hat, seit seinen Anfängen 1998, einige der renommiertesten Schallplattenpreise
erhalten und genießt die Anerkennung der Kritiker für seine neuartige Herangehensweise bei der Aufführung
polyphoner Musik, die ihre lebendige und ausdrucksvolle Interpretation der Polyphonie auf der Deklamation des
Textes aufbaut. Der Name des Vokalensembles geht zurück auf den ersten Druck polyphoner Musik, die
Harmonice Musices Odhecaton, die 1501 von Ottaviano Petrucci in Venedig publiziert wurden. Sein ausgewähltes
Repertoire spiegelt das musikalische Schaffen der italienischen, französischen, flämischen und spanischen
Komponisten im 15. Jahrhundert wider. Odhecaton vereint unter der Leitung von Paolo Da Col einige der besten
italienischen Sänger, die auf die Aufführung von Musik aus Renaissance und Barock spezialisiert sind. In seinen
Einspielungen widmet sich das Ensemble der Musik von Gombert, Isaac, Josquin, Peñalosa und Compère sowie
der Wiederentdeckung des Repertoires spanischer und portugiesischer Komponisten der Kanarischen Inseln im
17. Jahrhundert. Mit diesen Programmen war Odhecaton zu Gast bei den wichtigsten europäischen Festivals und
hat für seine Aufnahmen wichtige Auszeichnungen bekommen: »Diapason d'or de l'année«, »5 diapasons«, »Choc« (Le Monde de la Musique), »Disco del mese« (Amadeus und CD Classics), »CD of the Year« (Goldberg). Das
Repertoire von Odhecaton umfasst darüber hinaus die halbszenische Aufführung des Amfiparnaso von Orazio
Vecchi (in einer Inszenierung von Enrico Bonavera und mit einem Bühnenbild von Lele Luzzati) sowie das geistliche
Werk von Gesualdo da Venosa. Seit 2008 setzt Odhecaton einen seiner musikalischen Schwerpunkte in die
Interpretation von Palestrina. Das Ensemble nimmt gelegentlich die Mitarbeit von Instrumentalisten in
Anspruch, die sich auf dieses Repertoire spezialisiert haben, darunter Bruce Dickey und das Concerto Palatino,
Gabriele Cassone, Liuwe Tamminga, Paolo Pandolfo, Jakob Lindberg und La Reverdie.
Paolo Da Col, Leitung
Alessandro Carmignani, Raoul Le Chenadec, Gianluigi Ghiringhelli, Renzo Bez, Countertenöre
Fabio Furnari, Paolo Fanciullacci, Vincenzo Di Donato,
Tenöre
Marco Scavazza, Baryton
Giovanni Dagnino, Enrico Bava, Marcello Vargetto, Bässe
PAOLO DA COL schloss sein Studium der Musik und der Musikwissenschaft in Bologna ab und ist seitdem als
Sänger, Organist, Dirigent und Musikwissenschaftler tätig. Von frühester Jugend an am Repertoire der Renaissanceund
Barockmusik interessiert, war er über 20 Jahre lang in zahlreichen italienischen Vokalensembles aktiv, darunter der
Cappella di San Petronio in Bologna und dem Ensemble Istitutioni Harmoniche. Seit 1998 leitet er – neben anderen
Vokal- und Instrumentalensembles, die sich der Barockmusik verschrieben haben – das Vokalensemble Odhecaton. Er
lehrt am Konservatorium in Triest und leitet gemeinsam mit Luigi Ferdinando Tagliavini die Revue L'Organo. Des weiteren
verfasst er Musikkritiken für mehrere Fachzeitschriften, u.a. den Giornale della Musica, ist verantwortlich für den
Musikkatalog des Verlegers Arnaldo Forni in Bologna, besorgt Ausgaben von Instrumentalmusik, erstellt musikalische
Bestandskataloge und publiziert Essays über die Geschichte der Vokalmusik in Renaissance und Barock.