| RAMÉE |
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| Johann Sebastian BACH, da Gamba | ![]() |
Fast das gesamte von Bach selbst publizierte Werk sowie der größte Teil seines handschriftlich überlieferten kirchenmusikalischen Schaffens ist allgemein bekannt. Es ist die Instrumentalmusik, die Kammer- und Orchestermusik, welche die bedeutendsten Verluste erlitten hat. Eine erste Erklärung dieses Phänomens liegt in der geringen Beachtung, welche ihr zuteil wurde: Nach dem Tode Bachs im Jahr 1750 wurden dessen Handschriften von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel geordnet, wobei die Kammermusik in eine Kategorie einsortiert wurde, die ohne weitere Unterscheidung diverse Instrumentalstücke für verschiedene Instrumente enthielt. Die Wiederherstellung des Originaltextes beruht gezwungenermaßen eher auf Kopien aus zweiter Hand, zumeist von Schülern Bachs, als auf dessen Eigenhandschriften. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, inwieweit die erhaltenen Werke authentisch sind und ob sie ohne weiteres Bach zugeschrieben werden können. Allerdings rechtfertigt das nicht den Vorwurf des Plagiats. Durch die Wiederentdeckung Vivaldis hat sich zwar erwiesen, dass Bach eine ganze Reihe von dessen Werken zu Orgel- und Cembalokonzerten umgearbeitet hat, aber jeder Gedanke an irgendwelche Urheberrechte wäre schlichtweg anachronistisch, denn die Entlehnung musikalischen Materials von anderen Komponisten ist in der Barockzeit gang und gäbe, und selten findet der Ursprung Erwähnung. Die berechtigte Frage danach hat einige Musikwissenschaftler nichtsdestoweniger dazu gebracht, selbst die Urheberschaft der überaus berühmten Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565 in Zweifel zu ziehen. Abgesehen von den fehlenden Autographen zur Kammermusik des deutschen Meisters, wird das Verständnis seiner ursprünglichen Absicht dadurch erschwert, dass zahlreiche Fassungen ein und desselben Werkes existieren, die dessen häufige Wiederverwendung und Anpassung an verschiedene Gegebenheiten im Laufe der Karriere des Komponisten bezeugen. In unserm Fall existiert die erste der drei Sonaten für Viola da gamba und obligates Cembalo in einer Fassung für Traversflöte, Violine und basso continuo (BWV 1039), von der zweiten gibt es eine Version für Violine und basso continuo (das Manuskript befindet sich in der Staatsbibliothek Berlin, Mus ms Bach P 532), und die letzte ist wohl ein Entwurf zum dritten Brandenburgischen Konzert. Die Triosonate BWV 1038, für Flöte, Violine und basso continuo weist in ihrem letzten Satz die gleiche Basslinie auf wie die Violinsonaten BWV 1021 und 1022. Die Sinfonia der Kantate BWV 76, für Oboe d'amore, Viola da gamba und basso continuo wird etwa zehn Jahre später zum ersten Satz der vierten Orgelsonate BWV 528 umgearbeitet. Die musikwissenschaftlichen Diskussionen um Werkzuschreibung und Echtheit berauben die kompositorische Arbeit keineswegs ihres Wertes. Sie gewähren vielmehr der Interpretation der Bach'schen Kammermusik einen großen Spielraum. Die Musiker des 21. Jahrhunderts haben die Chance, eine Rekonstruktion der Urfassungen von Stücken zu versuchen, von denen nur Kopien oder Bearbeitungen erhalten sind. Darüber hinaus genießen sie eine gewisse Freiheit, diese Stücke nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu instrumentieren. Das ist auch der erklärte Anspruch der Mitglieder des Ensembles L'Armonia Sonora: Für fast jedes der eingespielten Stücke wurde die Instrumentierung im Bestreben einer einheitlichen Herangehensweise neu bedacht, ohne jemals die Bach'sche Vorlage verändern oder sich um jeden Preis abheben zu wollen.
MIENEKE VAN DER VELDEN studierte bei Wieland
Kuijken in Den Haag und schloß ihre Studien 1988 mit dem Künstlerischen
Examen ab. Sie ist eine der meistgefragten Gambistinnen in Nord-Europa und erhält
in Verbindung mit vielen Verpflichtungen im kammermusikalischen Bereich regelmäßig
Einladungen als Solistin vom Amsterdam Baroque Orchestra (Ton Koopman), Concerto
Vocale (René Jacobs), Collegium Vocale Gent (Philippe Herreweghe), von
der Niederländischen Bach-Vereinigung und von Cantus Cölln (Konrad
Junghänel). Im Rahmen ihrer vielfältigen Solo-Recitals arbeitet Mieneke
van der Velden mit dem Cembalisten Glen Wilson und dem Theorbisten Fred Jacobs
zusammen. Die Künstlerin erhielt Engagements vom Dutch Early Music Network,
dem Grachtenfestival, dem Bach Festival, dem Alte-Musik-Festival in Utrecht,
dem Flandern Festival sowie von diversen anderen Veranstaltern und Festivals
in ganz Europa. Mieneke van der Veldens Repertoire reicht von den bedeutenden
französischen Solo-Werken (Marin Marais, Antoine Forqueray und François
Couperin), über die großen Solo-Arien der Werke Johann Sebastian
Bachs (Matthäus-Passion, Johannes-Passion und weitere Kantaten) sowie dessen
solistische Kammermusik (Sonaten für Viola da Gamba und die Suiten für
Violoncello solo), über das englische Repertoire des 17. Jahrhunderts (einschließlich
der Musik für Lyra-Viol) bis hin zu zeitgenössischen Werken von Heppener
und anderen.
www.mienekevandervelden.com
Das Ensemble L'ARMONIA SONORA wurde vor
vier Jahren von Mieneke van der Velden speziell zur Aufführung von Kantaten
mit Vokal-Solisten gegründet. Seine Mitglieder sind namhafte Musiker aus
dem Alte-Musik-Bereich, die alle Professuren in den Niederlanden und im Ausland
bekleiden. Die Besetzung des Ensembles variiert je nach den Anforderungen eines
speziellen Werks oder auch nur einer besonderen Arie, von einer Continuo-Gruppe
bis hin zu Streichern und Bläsern reichend. L'Armonia Sonora musiziert
mit renommierten Solisten wie dem Bass Peter Kooij oder den Countertenören
Derek Lee Ragin und Robin Blaze. Im Jahre 2006 hat das Ensemble seine Debut-CD
De profundis clamavi mit Peter Kooij aufgenommen, die von Publikum und
Presse enthusiastisch aufgenommen wurde.
François Fernandez, Violine
Ricardo Rodriguez Miranda, Viola da gamba
Leo van Doeselaar, Orgel
Siebe Henstra, Cembalo