| RAMÉE |
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| Madame d'amours | ![]() |
Die elegante, klappenlose zylindrische Flöte
des 16. Jahrhunderts hat einen obertonreichen und durchdringenden Klang, der
dem eines Kornetts ähnlicher ist als irgendeinem anderen Blasinstrument
jener Zeit. Sie hat einen beeindruckenden Umfang von zweieinhalb Oktaven und
eine Ausgewogenheit des Klanges, die erst die Modelle des 19. Jahrhunderts wiedererreichen.
Ihre dynamische Flexibilität und ihre Eignung zu feinster Differenzierung
der Artikulation machen sie zu einem Instrument mit besonders vokalen Eigenschaften.
Überdies war sie aufgrund ihrer äußeren Einfachheit für
eine atemberaubende Virtuosität prädestiniert. Zusammen mit ihren
Diskant- und Bassvarianten bildete sie einen kompletten Satz für das im
16. Jahrhundert populäre Instrumentalkonsort. Das Konzept des Konsort hatte
sich binnen kurzem über ganz Europa ausgebreitet, denn es versprach neue
Ausdrucksmöglichkeiten und Formen der Musikausübung. Es scheint darüber
hinaus naheliegend, das Prinzip des Konsorts mit all seinen verschiedenen Auswirkungen
auf die allgemeine Musikpraxis sowohl als ein Produkt als auch als ein Instrument
des Humanismus zu betrachten: Humanistische Bestrebungen erreichten ein neues
Stadium, und in der Musik gewannen weltliche Formen und Genres einen gleichberechtigten
Platz gegenüber kirchlichen. Man betrachtete eine musikalische Ausbildung
und die Musikausübung zur persönlichen Andacht oder Ergötzung
als vorteilhaft für die persönliche Moral.
Diese Aufnahme konzentriert sich auf ein Repertoire für Renaissance-Flötenkonsort,
das in seinen Originalversionen fast ausnahmslos aus Vokalmusik bestand. Unter
den populären Genres weltlicher Musik des 16. Jahrhunderts nimmt die Chanson
einen bevorzugten Platz ein: Ihr Erfolg ist durchschlagend und international,
und spiegelt sich in einem reichen Vorkommen in Manuskripten und frühen
Drucken instrumentaler Musik wider. Die plausibelste, wenn auch nicht unbestrittene
Erklärung für die weite Verbreitung weltlicher Polyphonie in textlosen
Versionen ist die Vermutung, dass sie in zunehmendem Maße instrumental
gespielt wurde. Denn in diesem Repertoire gibt es nichts, das die Traversflöte
nicht perfekt ausdrücken könnte: den Umfang der Stimmen, die Tonarten,
in welchen die Chansons meistens geschrieben waren, die Gefühle, die ihre
Lyrik zum Ausdruck bringt, und sogar die französische Sprache selber scheinen
vollkommen den natürlichen Eigenschaften dieses Instruments zu entsprechen.
Das ATTAIGNANT CONSORT wurde 1998 von Kate
Clark (Australien), Frédérique Chauvet (Frankreich), Marion Moonen
(Niederlande) and Marcello Gatti (Italien) gegründet. Die vier Absolventen
des Königlichen Konservatoriums in Den Haag haben sich in der Spielpraxis
historischer Flöten bei Wilbert Hazelzet oder Barthold Kuijken spezialisiert.
Jeder der Musiker ist in Kammermusikensembles und Orchestern internationalen
Ranges tätig, wie z.B. Les Musiciens du Louvre, dem Freiburger
Barockorchester, der Rheinischen Kantorei, Musica Antiqua Köln,
dem Amsterdam Baroque Orchestra, Musica ad Rhenum, Concerto
Köln oder Cantus Cölln. Ihre Begeisterung für die
Renaissanceflöte hat sie zu einer langjährigen Zusammenarbeit mit
dem italienischen Flötenbauer Giovanni Tardino geführt, mit dessen
Renaissance-Flöten sie die Klangwelt dieses bisher wenig bekannten Instrumentes
erforschen.
Die Musiker streben nach den höchsten Idealen des Konsortspiels im 16.
Jahrhundert, insbesondere nach der Imitation von menschlicher Rede und Gesang,
indem sie Artikulation, klangliche Ausdruckskraft und dynamische Nuancierung
derart verfeinern, »dass man nur noch die Hülle des menschlichen
Körpers zu vermissen scheint« (Silvestro Ganassi, Opera Intitulata
Fontegara, 1535).
Das ATTAIGNANT CONSORT arbeitet meist mit Faksimile-Ausgaben
originaler Stimmbücher und spielt so oft als möglich auswendig, um
der Tradition mündlicher Überlieferung zu folgen, in der viele Instrumentalisten
des 16. Jahrhunderts ausgebildet worden sind. Das Consort tritt gelegentlich
mit Laute oder Harfe auf, oder auch in Begleitung einer Gesangsstimme. Es wurde
zu Konzerten nach Italien, Deutschland, in die Schweiz und in die Niederlande
eingeladen.
Kate Clark, Leitung, Flöte
Frédérique Chauvet, Flöte
Marion Moonen, Flöte
Marcello Gatti, Flöte
Mathieu Langlois, Flöte
Marta Graziolino, Harf
Nigel North, Laute
KATE
CLARK wurde in Sydney geboren und schloss ihr Studium der
modernen und Barockflöte an der University of Sydney 1985 ab. Im selben
Jahr war sie Finalistin beim Australian National Flute Competition und
erste Gastflötistin beim Australian Chamber Orchestra.
Von 1986 bis 1990 studierte sie Barock- und klassische Flöte bei Barthold
Kuijken am Königlichen Konservatorium in Den Haag, wo sie das Solistendiplom
»cum laude« erhielt, und von 1990 bis 1992 Renaissanceflöte
an der Schola Cantorum Basiliensis bei Anne Smith. 1993 gewann sie den ersten
Preis beim Internationalen Wettbewerb im Rahmen des Festivals Musica Antiqua
in Brügge.
Seit 1988 ist Kate Clark regelmäßig als Solistin und Kammermusikerin
zu Konzerten und Aufnahmen in ganz Europa eingeladen, u.a. mit Musica ad
Rhenum, Amphion Ensemble, Cantus Cölln, Freiburger
Barockorchester, Concerto Köln, Deutsche Händel-Solisten,
Rheinische Kantorei, Les Musiciens du Louvre und Le Concert
Spirituel. Sie tritt regelmäßig in Australien als Solistin mit
dem Australian Brandenburg Orchestra, dem Australian Chamber Orchestra,
oder als Künstler in Residenz an der University of Western Australia. Kate
Clark gibt Vorlesungen und Meisterkurse in Italien, Spanien, Deutschland, Frankeich,
Israel and Australien, und unterrichtet Barock- und Renaissancenflöte am
Königlichen Konservatorium in Den Haag.
| 1. Anonymous | Madame d’amours | 18. Orlando di Lasso | Beatus Vir | ||
| 2. Anonymous | The Duke of Sommersettes Domp | 19. Tomás Luis de Victoria | Tenebrae factae sunt | ||
| 3. Robert Fayrfax | Farewell my joy | 20. Claudin de Sermisy | Tant que vivray | ||
| 4. Anonymous | My Lady Careys Dompe | 21. Claudin de Sermisy | Au pres de vous | ||
| 5. Henry VIII | Pastyme with good companye | 22. Nicolas Gombert | Amours, amours | ||
| 6. Josquin Des Prez | In pace / Que vous madame | 23. Pierre Sandrin | Doulce memoire | ||
| 7. Josquin Des Prez | Mille regretz | 24. Jean-Paul Paladin | Le content est riche | ||
| 8. Luys de Narváez | La Canción del Emperador |
25. Jacobus Clemens non Papa | Frais et Gaillard | ||
| (Mille regretz) | 26. Claudin de Sermisy | Au joly bois | |||
| 9. Heinrich Isaac | Güretzsch / Si dormiero | 27. Clément Janequin | Le rossignol: | ||
| 10. Heinrich Isaac | La my | En escoutant | |||
| 11. Arnolt Schlick | Mein M. ich hab | 28. Alfonso Ferrabosco | Fantasia | ||
| 12. Paul Hofhaimer | Ach Lieb mit Leid | 29. Cipriano de Rore | Anchor che col | ||
| 13. Ludwig Senfl | Carmen | partire | |||
| 30. Anonymous | Ricercada | ||||
| 14. Hans Judenkünig | Ein seer guter Organistischer | 31. John Dowland | Pavan Lachrimae | ||
| 15. Georg Forster | Preambel | 32. John Dowland | Praise blindnesse eies | ||
| Ich hab’s gewagt | 33. John Dowland | Fine knacks for ladies | |||
| 16. Anonymous | Das Jägerhorn | ||||
| 17. Jacob Obrecht | Qui cum Patre et filio |