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| Johann Christoph PEZ, Ouvertures Concerti | ![]() |
Ab und zu geschieht es offenbar noch immer, dass musikalische Perlen aus der Vergangenheit, die jahrhundertelang unter dem Schleier der Geschichte verborgen blieben, wiederentdeckt werden. Dies ist zweifellos mit den Concerti und Ouvertüren von Johann Christoph Pez der Fall. In seinen Concerti und Ouvertüren zeigt Pez, dass er zu viel mehr fähig war, als sich nur die Kompositionsstile seiner berühmteren Zeitgenossen zu eigen zu machen. Seine bemerkenswerte Persönlichkeit entfaltet sich besonders in der großen dramatischen Kraft seiner französischen Ouvertüren, die eines Keisers oder frühen Händels würdig sind; in seiner sublimen Verbindung von französischen und italienischen Stilelementen, mit der er seines deutschen Zeit- und Stilgenossen Muffat wenigstens ebenbürtig scheint; und in seiner scheinbar unerschöpflichen melodischen Intensität, der nach seinem Tod in Deutschland nur eine Größe wie Telemann gleichkam. Alles in allem ist Johann Christoph Pez nicht einfach einer von vielen möglichen Komponisten, der nun um der Originalität Willen »vom Staube befreit« wird: sein Oeuvre ist zweifellos von viel größerer Bedeutung als bisher allgemein anerkannt, und seine Concerti und Ouvertüren bilden hiervon wenn vielleicht nicht den wichtigsten, so doch den abwechslungsreichsten und attraktivsten Teil.
Peter Van Heyghen
LES
MUFFATTI entstand aus dem Bestreben einiger junger Brüsseler
Musiker, eine professionelle Arbeitsgemeinschaft mit Schwerpunkt auf der Ausführung
von barockem Orchesterrepertoire zu schaffen, in der elementare Spielfreude,
handwerkliche Verfeinerung und inhaltliche Vertiefung gleichermaßen Aufmerksamkeit
finden können. Ihr Enthusiasmus, ihr persönlicher Einsatz und Idealismus
fanden ein Echo bei Barockspezialist Peter Van Heyghen, der zum festen Dirigenten
und Coach des Orchesters wurde. Seit dem Debütkonzert im Juni 2004 in Brüssel
spielte das Orchester in Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland,
Italien und Portugal. Es wurde bereits wiederholt ins Concertgebouw Brügge,
auf das Festival Musica Sacra Maastricht und auf die renommierten Festivals
in Brügge und Utrecht eingeladen.
Der Name des Ensembles verweist auf den kosmopolitischen Komponisten Georg Muffat
(1653-1704), der in der Musikgeschichte eine Schlüsselfigur bei der Entstehung
des Orchesters darstellt und als einer der ersten die großen Unterschiede
zwischen den französischen und italienischen Musikstilen und deren Aufführungspraxis
theoretisiert und verbunden hat. Die erste CD von LES MUFFATTI
war diesem Komponisten gewidmet.
Das zentrale Element in der Aufführungspraxis von LES MUFFATTI
ist das beständige Streben nach der perfekten Beherrschung einer musikalischen
Gestik, welche vollständig auf dem Prinzip der jeglicher barocken Kunst
so wesentlichen und inhärenten Theatralität aufbaut. Diese Zielstellung,
die viel weiter reicht als eine bloß »korrekte« Ausführung
einer Partitur, hat ihren Ursprung in der festen Überzeugung, dass diese
auf Affektenlehre und Rhetorik gegründete Sprache der Gestik und Theatralität
nicht nur ein unumgehbares Charakteristikum barocker Ästhetik ist, sondern
einen eigenen, essentiell universellen Charakter besitzt. Eingehende Stilkenntnis,
die Beherrschung angepasster Spieltechniken und die sorgfältige Wahl passender
Instrumente stellen für LES MUFFATTI das
Mittel dar, um ein barockes Repertoire dem heutigen Hörer immer wieder
von neuem in unterhaltsamer, anrührender und überzeugender Weise nahezubringen.
Peter Van Heyghen, Leitung
Sophie Gent (KM), Marie Haag, Laurent Hulsbosch, Marcin Lasia, Catherine Meeùs,
Tuomo Suni, Benedicte Verbeek, Violinen
Wendy Ruymen, Julie Vermeulen, Heidi Verbruggen, Manuela Bucher, Violas
Marian Minnen, Corentin Dellicour, Marc Vanscheeuwijck, Violoncelli und
Basses de Violons
Benoît Vanden Bemden, Kontrabass und Violone
Kris Verhelst, Cembalo
Bart Jacobs, Orgel
Bernard Zonderman, Gitarre und Theorbe
Vinciane Baudhuin, Taka Kitazato, Benoît Laurent, Stefaan Verdegem, Oboe
und Taille
Kamila Marcinkowska, Fagott
www.lesmuffatti.be
PETER VAN HEYGHEN studierte
Blockflöte und Gesang am Konservatorium in Gent und ist heute ein international
anerkannter Spezialist für Historische Aufführungspraxis von Barock-
und Renaissancemusik. Er konzertiert weltweit als Solist, mit dem Blockflöten-Consort
Mezzaluna, mit dem Kammermusikensemble More Maiorum, als Ko-Leiter
des niederländischen Vokalensembles Cappella Pratensis und als Dirigent
und künstlerischer Leiter des Brüsseler Barockorchesters Les Muffatti.
Peter Van Heyghen ist regelmäßig auf verschiedenen Festivals für
Alte Musik zu Gast, so z.B. in Brügge, Antwerpen, Utrecht und St. Petersburg.
Im Jahre 2005 wurde er vom flämischen Radiosender Klara zum »Festivalstar«
des Brügger Musica Antiqua Festivals gekürt. Ab 2007 ist er
für drei Jahre mit seinen Ensembles »Artist in Residence« im
Zentrum für Alte Musik Augustinus in Antwerpen. Er hat CDs für die
Label Passacaille, Eufoda, Accent, Opus 111, Klara
und Ramée eingespielt.
Peter Van Heyghen ist außerdem als Musikwissenschaftler, Publizist und
Lehrer aktiv. Er unterrichtet Historische Aufführungspraxis an den Königlichen
Konservatorien in Den Haag und Brüssel gibt regelmäßig Meisterkurse,
Workshops und Gastvorlesungen im In- und Ausland
In den letzten Jahren ist Peter Van Heyghen zunehmend als Dirigent und Lehrer
auf dem Gebiet der Barockoper tätig. Zusammen mit der Regisseurin und Choreographin
Sigrid T'Hooft leitet er seit 2003 den Opernworkshop im Rahmen der Händel-Akademie
in Karlsruhe, und beide sind eingeladen, im Februar 2009 am Badischen Staatstheater
Karlsruhe die künstlerische Leitung für die Produktion der Händeloper
Radamisto zu übernehmen.