| RAMÉE |
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| De profundis clamavi | ![]() |
Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts entstand
im norddeutschen Raum eine geistliche Vokalmusik, welche zuweilen etwas anachronistisch
als Kantate oder aber treffender als Geistliches Konzert bezeichnet wurde. Den
Hörer überrascht an dieser Musik einerseits vor allem die emotionale
Tiefe, verbunden mit Demut, Kummer und Angst, und andererseits die Vehemenz
deren musikalischen Umsetzung. Der Dreißigjährige Krieg war ein Schauspiel
blutiger Auseinandersetzungen im Namen der Religion, in dessen Folge Grausamkeiten,
Hungersnöte und Epidemien nicht nur zerstörerische sondern vor allem
zutiefst demoralisierende Auswirkungen hatten. Was blieb den Menschen noch an
Zuversicht, wenn sie nur noch die Hoffnung auf einen Seelenfrieden im Jenseits
hatten? Es war eine Zeit des Nachdenkens über die Bedingungen des menschlichen
Lebens, über seine Ungewissheit, über die Sinnlosigkeit jeglichen
Handelns, zwischen Schuld und Kasteiung, Klarsicht und Zynismus, Zweifel und
Hoffnungslosigkeit.
Die musikalische Entwicklung im Deutschland des 17. Jahrhunderts war ein Spiel
der Kräfte zwischen den tief verwurzelten Traditionen und neuen Strömungen,
die in wenigen Jahrzehnten von einer Randerscheinung zu einem vorherrschenden
Stil wurden. Die Kirchenmusik bestand hauptsächlich aus Choralmelodien
und polyphonem Repertoire vom Anfang des Jahrhunderts bzw. des vorangegangenen
Jahrhunderts. Der stile anticho wurde als zu Andacht und Demut passender
empfunden. Eine fundierte Anfechtung gegen den neuen italienischen Stil, der
im allgemeinen als oberflächlich und wenig erbaulich angesehen wurde, formulierten
vor allem die Pietisten, allen voran Johann Arndt. Da sie die Schriften und
ihre theologischen Kommentare von Anfang an als zu schwer verständlich
für das Volk betrachteten und daher meinten, dass diese ihre hauptsächliche
Aufgabe verfehlten, beharrten sie auf der Notwendigkeit einer besseren Anleitung
der Gläubigen bei der Bibellektüre und regten zu diesem Zwecke Zusammenkünfte
in Diskussionsgruppen sowie individuelles Studium von spezieller Literatur an.
Die Verfechter des Pietismus befürworteten deshalb eine Vereinfachung und
die Vertonung der Texte. Sie warnten gegen die in ihren Ohren unangemessene
italienische Musik, die sie als »tierisches Geplärr« bezeichneten
und empfahlen in der Kirche die Verwendung polyphoner Musik, die ihnen eher
dazu geeignet schien, Andacht und Demut hervorzurufen. Sie förderten eine
andere Form des geistlichen Gesanges paradoxerweise von der italienischen
Strophenarie inspiriert und einziges Zugeständnis an den stile moderno
, dessen musikalische Schlichtheit und melodische Einfachheit zugunsten
des Textverständnisses sie schätzten.
Den Gegenpol zu den Pietisten in dieser Kontroverse über die Rolle der
Musik in der protestantischen Liturgie bildete eine Strömung, die ihrerseits
offener gegenüber dem Fortschritt der musikalischen Kunst war. Das Verständnis
des allgemeinen expressiven Gehalts eines Textes und seines Affektes war dieser
Strömung letztlich wichtiger als sein wortwörtliches Verständnis.
Sie betrachtete die Musik als Gabe Gottes und gleichzeitig als Krönung
des Gotteslobs (Hector Mithobius, Psalmodia christiana, 1665). Ein immer
wichtiger werdender Anteil der kirchenmusikalischen Produktion verfolgte seitdem
die Darstellung der Gefühle, eine sehr komplexe, teilweise virtuose Schreibweise,
die auch die Rolle der Instrumente verstärkte und damit eine Vorliebe der
Deutschen für Instrumentalmusik nährte.
Das
Ensemble L'ARMONIA SONORA wurde vor vier
Jahren von Mieneke van der Velden speziell zur Aufführung von Kantaten
mit Vokal-Solisten gegründet. Seine Mitglieder sind namhafte Musiker aus
dem Alte-Musik-Bereich, die alle Professuren in den Niederlanden und im Ausland
bekleiden. Die Besetzung des Ensembles variiert je nach den Anforderungen eines
speziellen Werks oder auch nur einer besonderen Arie, von einer Continuo-Gruppe
bis hin zu Streichern und Bläsern reichend. L'Armonia Sonora musiziert
mit renommierten Solisten wie dem Bass Peter Kooij oder dem Countertenor Derek
Lee Ragin. Weitere Programme sind mit dem kanadischen Countertenor Matthew White
und der französischen Sopranistin Véronique Gens geplant.
François Fernandez, Sayuri Yamagata, Violine
Christine Plubeau, Ricardo Rodriguez Miranda, Viola da gamba
Peter Rikkers, Violone
Leo van Doeselaar, Orgel
PETER KOOIJ sang
bereits im Alter von sechs Jahren im Chor seines Vaters und wirkte als Knabensopran
bei vielen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen mit. Nach einem Violinstudium
am Utrechter Konservatorium studierte er Gesang bei Max van Egmond am Sweelinck-Konservatorium
in Amsterdam, wo er das Solistendiplom mit Auszeichnung erwarb. Seine Konzerttätigkeit
führte Peter Kooij an die wichtigsten Musikzentren der Welt, wie z. B.
das Concertgebouw Amsterdam, den Musikverein Wien, die Carnegie Hall New York,
die Royal Albert Hall London, das Teatro Colon Buenos Aires, die Berliner und
Kölner Philharmonien, das Palais Garnier Paris sowie die Suntory Hall und
die Casals Hall in Tokio. Er sang unter anderem unter der Leitung von Philippe
Herreweghe, Ton Koopman, Frans Brüggen, Gustav Leonhardt, René Jacobs,
Sigiswald Kuijken, Roger Norrington und Iwan Fisher, und hat mehr als hundert
Schallplatten und CDs für Labels wie Philips, Harmonia Mundi,
Sony und Virgin Classics, Erato, EMI und BIS
aufgenommen. Er wurde von BIS für die
Gesamteinspielung der Bach-Kantaten mit dem Bach Collegium Japan unter
der Leitung von Masaaki Suzuki eingeladen. Neben seiner Konzerttätigkeit
ist Peter Kooij künstlerischer Berater des Ensemble Vocal Européen.
Von 1991 bis 2000 war er Professor für Gesang am Sweelinck-Conservatorium
in Amsterdam und von 1995 bis 1998 Lehrbeauftragter an der Staatlichen Hochschule
für Musik und Theater Hannover. Seit 2000 ist er Gastdozent an der Tokyo
University of fine Arts and Music und Professor für Gesang am Koninklijk
Conservatorium in Den Haag. Er gab Meisterkurse in Deutschland, Frankreich,
Portugal, Spanien, Belgien, Finnland und Japan.
MIENEKE VAN DER VELDEN studierte Viola
da gamba bei Wieland Kuijken in Den Haag und schloss ihre Studien 1988 mit dem
Solistendiplom ab. Neben ihren vielfältigen Verpflichtungen im kammermusikalischen
Bereich spielt sie als Solistin regelmäßig mit dem Amsterdam Baroque
Orchestra (Ton Koopman), Concerto Vocale (René Jacobs), Collegium
Vocale Gent (Philippe Herreweghe), De Nederlandse Bachvereniging (Jos
van Veldhoven) und mit Cantus Cölln (Konrad Junghänel). Ihr
besonderes Interesse gilt ihren Recitals mit dem Cembalisten Glen Wilson und
dem Theorbisten Fred Jacobs sowie ihrem Ensemble L'Armonia Sonora. Die
Künstlerin erhielt Engagements vom Dutch Early Music Network, dem Grachtenfestival,
dem Bach Festival, dem Alte-Musik-Festival in Utrecht, dem Flandern Festival
sowie von diversen anderen Veranstaltern und Festivals in ganz Europa. Die Gambistin
hat bislang drei CDs für das holländische Label Channel Classics
aufgenommen, die bei der Kritik auf durchweg positive Resonanz stießen.
Mieneke van der Velden ist Professorin für Viola da Gamba am Sweelinck
Konservatorium in Amsterdam.
www.peterkooij.de
www.mienekevandervelden.com