| RAMÉE |
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| Flour de Beaulté | ![]() |
Im Jahre 1192 verlieh Richard Löwenherz
seinem Lehnsmann Guy de Lusignan die Souveränität über Zypern.
Die Lusignan trachteten danach, ein Königreich nach westlichem Standard
zu errichten und Zypern der römisch-lateinischen Kirche zu unterwerfen.
Die Insel wurde so zum östlichsten Vorposten des lateinischen Christentums
und der Hof von Nikosia ein Zentrum westeuropäischer Kultur, Sprache und
Lebensstils. Die Lusignan-Könige, deren Vorfahren aus dem Poitou in Frankreich
kamen, umgaben sich mit Adel vorrangig französischer Abstammung. Wie die
vorliegende Aufnahme zeigt, fand die französische Kultur auch in der Musik
ihren Niederschlag. Nur ein einziges materielles Zeugnis der Musikkultur des
lusignanischen Hofes ist nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand überliefert:
Es handelt sich dabei um ein umfangreiches Manuskript auf Pergament, das sich
in der Biblioteca Nazionale Universitaria in Turin befindet. Dieser Kodex
wird nicht nur als die »bei weitem umfangreichste Fundgrube französischer
Musik oder wenigstens Musik französischer Tradition zwischen
den Sammlungen der Ars Nova des 14. Jahrhunderts und den franko-burgundischen
Handschriften des ausgehenden 15. Jahrhunderts« betrachtet, sondern er
ist auch »die zweifellos am meisten unterschätzte größere
Quelle spätmittelalterlicher Polyphonie«. Attribute wie »mysteriös«
und »ungewöhnlich« könnten dem Manuskript weiterhin zugeordnet
werden: Nicht eine einzige Autorenzuschreibung wurde in seinen Seiten gefunden,
nicht ein einziges Stück daraus ist in anderen Manuskripten, die in etwa
zur selben Zeit entstanden sind, wiedergefunden worden... Größte
Aufmerksamkeit scheint bei der Auswahl und der Reihenfolge des Repertoires der
gesamten Handschrift gewaltet zu haben, wie auch bei ihrer Anfertigung. Die
mehrstimmige Musik des Manuskripts ist in vielerlei Hinsicht den französischen
Stilen und Repertoires des 14. und frühen 15. Jahrhunderts verpflichtet,
was in vollkommenem Einklang mit dem Geschmack des lusignanischen Hofes steht.
Für die vorliegende Aufnahme hat La Morra eine Auswahl unter nicht weniger
als 166 Vertonungen französischer Poesie von erstklassiger Qualität
und vollendeter Schönheit getroffen die Flour de Beaulté.
LA
MORRA wurde
an der Schola Cantorum Basiliensis (Basel, Schweiz) gegründet und
hat sein internationales Debüt im Jahre 2000 gegeben. Spezialisiert auf
Musik des Spätmittelalters und der Renaissance, ist das Ensemble seitdem
auf bedeutenden Festivals wie dem belgischen Festival van Vlaanderen,
dem niederländischen Holland Festival und Netwerk Oude Muziek,
bei den Schweizer Freunden Alter Musik in Basel, den Rencontres de
Musique Médiévale du Thoronet in Frankreich und Il Canto
delle Pietre in Norditalien aufgetreten, und hat zahlreiche Konzerte in
ganz Europa gegeben. Die Debüt-CD des Ensemble »Le Jardin de Plaisance«
(Raumklang), mit welcher die neue Aufnahmenserie der Schola Cantorum
Basiliensis im Jahre 2003 eröffnet wurde, ist von der internationalen
Presse mit viel Aufmerksamkeit bedacht worden, wie auch die zwei folgenden Einspielungen,
»Dame de Deuil« (Et'Cetera) und »Ex Libris Doctoris
Amerbachii« (Musiques Suisses), welche 2005 veröffentlicht
wurden. Die vorliegende Aufnahme markiert den Beginn der Zusammenarbeit des
Ensembles mit dem Label Ramée.
Els Janssens, Stimme
Corina Marti, Flöten und Leitung
Michal Gondko, Laute und Leitung
Dani Pelagatti, Douçaine
Uri Smilansky, Fidel, Flöte
www.lamorra.info