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| Jean-Marie LECLAIR, Sonates | ![]() |
Als Jean-Marie Leclair im Alter von 46 Jahren sein Viertes Buch mit Sonaten für Violine und Generalbass veröffentlichte, befand er sich im Zenit seiner geigerischen und kompositorischen Entwicklung: Diese zwölf Sonaten sind der vollendete Ausdruck seiner Reife, seiner geigentechnischen und stilistischen Fähigkeiten. Sie übertreffen noch bei weitem jene der vorangegangenen drei Bücher hinsichtlich ihrer harmonischen Komplexität und ihrer extremen technischen Anforderungen an den Solisten. Leclairs Sonaten des Vierten Buches sind Musik von größter Emotionalität, einer sehr subjektiven, man möchte fast sagen romantischen Expressivität, die sich in ungewöhnlichen melodischen Wendungen, in unerwarteten Modulationen und Trugschlüssen manifestiert. Die manchmal fast abgründig wirkende Musik der langsamen Sätze, welche streckenweise beinahe die Ausdruckswelt des 19. Jahrhunderts vorwegnimmt, mag ihren Ursprung in dem von Zeitgenossen als schwierig beschriebenen Charakter Leclairs haben er galt als reserviert, Gesellschaft meidend, zum Misanthropen neigend. Die Kompositionen zeugen von höchster Meisterschaft und lassen einen Prozess mehrfacher Überarbeitung vermuten: Zwischen der erstmaligen Ankündigung des Vierten Buches im Mercure de France und seiner Veröffentlichung liegen jene sechs Jahre, die Leclair in Amsterdam und Den Haag zugebracht hat. In dieser Zeit ist er mehrfach mit dem italienischen Virtuosen Pietro Locatelli zusammengetroffen und hat zweifellos von dessen überwältigender Violintechnik profitiert. Der französische Stil, der das Erste Buch seiner Sonaten noch ganz entscheidend bestimmt hat, ist hier selbst in den Charaktersätzen vollkommen in einer italianisierten Schreibweise aufgegangen. Leclair hat wie kein anderer den italienischen Stil in Frankreich eingeführt und es als erster verstanden, die hohe Kunst der italienischen Violinvirtuosen und die Modelle der Corellischen Kirchensonate bzw. des Vivaldischen Ritornellkonzertes mit der französischen Tradition zu verschmelzen. Er hat damit, gegen den Widerstand musikästhetischer Puristen wie Hubert Le Blanc (Défense de la Basse de Viole), nicht nur zu einer Revolutionierung des französischen Musikgeschmacks beigetragen, sondern auch den Grundstein der französischen Violinschule gelegt, deren Tradition von Guillemain, Modonville, Gaviniès, Rode und Kreutzer im weiteren Verlaufe des 18. Jahrhunderts begründet worden ist.
LUIS
OTAVIO SANTOS wurde in Brasilien geboren. Er studierte Barockvioline bei
Sigiswald Kuijken am Konservatorium in Den Haag und erhielt das Solistendiplom
mit Auszeichnung. Konzerte und Aufnahmen führten ihn in viele Länder
Europas, nach Japan, China und Lateinamerika, wo er als Solist und Konzertmeister
mit Ensembles wie La Petite Bande, Ricercar Consort, Il Fondamento
oder Nederlandse Bachvereniging auftrat. Von 1997-2001 unterrichtete
er Barockvioline an der Scuola di Musica di Fiesole, Italien, seit 1998
ist er Assistent von Sigiswald Kuijken am Konservatorium in Brüssel. In
Brasilien leitet er als Künstlerischer Direktor das jährlich stattfindende
Festival Internacional de Musica Colonial Brasileira e Musica Antiga de Juiz
de Fora, welches vom Brasilianischen Kulturministerium aufgrund seines entscheidenden
Beitrags zur nationalen kulturellen Entwicklung gefördert wird. Luis Otavio
Santos spielte mit Pieter-Jan Belder die Sonaten für Violine und Cembalo
von J. S. Bach für das niederlänische Label Brilliant Classics
ein.
ALESSANDRO SANTORO wurde in Brasilien
geboren. Er erhielt das Solistendiplom für Klavier am Tschaikowski-Konservatorium
in Moskau. Dort spielte er das erste Klavierkonzert von Claudio Santoro mit
dem Philharmonischen Orchester von Samara ein. Später studierte er Cembalo
bei Jacques Ogg in Den Haag, wo er das Masterdiplom erhielt. Er konzertierte
in Europa und Brasilien unter anderem mit La Petite Bande, dem Orchester
des 18. Jahrhunderts, La Sfera Armoniosa und dem Den Haag Baroque
Orchestra. Im Jahre 2000 dirigierte er das Sinfonieorchester von Brasilia
mit den Brandenburgischen Konzerten von J. S. Bach. Alessandro Santoro
ist Gastprofessor für Generalbass und Kammermusik am Konservatorium in
Den Haag und unterrichtet bei den Internationalen Sommerkursen in Brasilia und
im Rahmen des Festival Internacional de Musica Colonial Brasileira e Musica
Antiga de Juiz de Fora, Brasilien.
RICARDO
RODRIGUEZ MIRANDA wurde in Venezuela geboren.
Er studierte Klavier und Violoncello in Caracas und war Mitglied von La Camerata
de Caracas. Ein Stipendium der venezolanischen Regierung ermöglichte
ihm, Viola da gamba bei Wieland Kuijken in Den Haag zu studieren, wo er das
Solistendiplom erhielt. Er nahm an Meisterkursen mit Jordi Savall teil. Neben
seiner Konzerttätigkeit studiert er Musikwissenschaft an der Universität
von Utrecht.