| RAMÉE |
|---|

| Jacob PRAETORIUS, Von allen Menschen abgewandt | ![]() |
Jacob Praetorius, auch öfters bei seinem
deutschen Namen Schultz[e] genannt, wurde am 8. Februar 1586 in Hamburg geboren.
Er entstammt einer hoch angesehenen Organistenfamilie: Sein Großvater
Jacob (? 1586) und sein Vater Hieronymus (1560 1629) waren Organisten
an der Hauptkirche St. Jakobi in Hamburg, letzterer war zugleich sein erster
Lehrer.
Bereits 1604 erhielt Praetorius als Nachfolger von Heinrich thor Molen die Organistenstelle
an der Hamburger St. Petri-Kirche, die er bis zu seinem Tode am 21. oder 22.
Oktober 1651 innehaben sollte. Jüngsten Forschungen zufolge ging er 1606
für zwei Jahre nach Amsterdam, um bei Jan Pieterszoon Sweelinck (1562
1621) zu studieren, und scheint damit einer der ersten zahlreichen Sweelinckschüler
gewesen zu sein. Der Meister schrieb für Praetorius' Hochzeit im Jahre
1608 sogar eine Motette.
Johann Mattheson berichtet (Grundlage einer Ehrenpforte, Hamburg 1740), dass
Praetorius von Sweelinck »
unter andern, eine ganz eigne Fingerführung
faßte, die sonst ungewönlich, aber sehr gut war. Schultz nahm des
Swelinks Sitten und Geberden an sich, die überaus angenehm und ehrbar waren;
hielt den Leib ohne sonderliche Bewegung, und gab seinem feinen Spielen ein
Ansehen, als ob es keine Arbeit wäre.«
Bereits zu seinen Lebzeiten wurde Praetorius mit seinem Kollegen Heinrich Scheidemann
verglichen, dem anderen großen Hamburger Sweelinckschüler, der Organist
an der Katharinenkirche war. Bei Mattheson lesen wir, dass Scheidemann eher
freundlich und leutselig war, auch dass er »nichts sonderliches aus sich
selber« machte. »Sein Spielen war eben der Art; hurtig mit der Faust;
munter und aufgeräumt: in der Composition wohl gegründet; doch nur
mehrentheils so weit, als sich die Orgel erstreckte. Seine Sätze liessen
sich leicht spielen.« Praetorius hingegen »bezeigte sich immer sehr
gravitätisch und etwas sonderbar; nahm seines Lehrherrn hohes Wesen an;
und liebte die äuserste Nettigkeit in allem seinen Thun, wie der Holländer
Gewohnheit ist. [...] Schultzens Sachen fielen schwerer zu spielen, und wiesen
mehr Arbeit, worin er vor allen andern was voraus hatte.«
Johann Kortkamp schreibt in seiner Organistenchronik (1702-1718) über Praetorius:
»Er war bey hohen und niedrigen Standes Persohnen estomieret. Er hat sich
beflißen von Jugend auff einer sunderlichen Methode im Kirchen-Stilo,
daß er gravitetisch und sehr andächtig spielte und die Hertzen zu
Anhörung der Predigt sehr animiren konte. Er hat durch seine große
Wißenschafft vermittelß göttlichen Beystandes viel Organisten
gezeuget, so hin und wieder in Teuschlandt verlanget, und wohl durch seine Recommendation
befordert. Von diesem lieben Mann wil ferner gedenken wegen seines sin- und
künstlichen Spielen. Wie der Prediger in der Gemeinde Hertzen, so er auch
durch sein Orgelspielen Andacht erwecken und bewegen konte; zum Exempel wenn
er spielte ein Buß- Liedt als: »Erbarm Dich mein o Herre Gott«
wie devot und andächtig er solches Liedt gespielet, wie hat er gewust die
Stimmen der Orgel so in ihrer Eigenschafft zu gebrauchen, daß man nicht
allein das Spielen, sondern auch die Orgel estomiren mußte.«
Diese Eigenschaften finden sich ebenso in Praetorius' Werken: hier sind kontrapunktische
Strenge mit virtuoser Spielfreude gepaart. Von seinen Schülern war Matthias
Weckmann (wahrscheinlich 1615/16 1674)
der bedeutendste, er erhielt 1655 die Organistenstelle an der Hamburger St.
Jakobi-Kirche. Ein weiterer namhafter Schüler war Berendt Petri (zwischen
1594 und 1598 ?).
Léon Berben
LÉON BERBEN
wurde 1970 in Heerlen, Niederlande geboren. Er studierte Orgel und Cembalo
in Den Haag und Amsterdam bei Ton Koopman, Bob van Asperen und Gustav Leonhardt.
Seit März 2000 ist er Solo- und Continuocembalist des Ensembles Musica
Antiqua Köln (Reinhard Goebel), mit dem er in ganz Europa, Nord- und
Süd Amerika und Asien konzertiert. Bevor er Mitglied von Musica Antiqua
Köln wurde, spielte er u.a. beim Amsterdam Baroque Orchestra,
beim Freiburger Barockorchester und bei Musica ad Rhenum. Er gibt
Solokonzerte auf dem Cembalo und auf vornehmlich historischen Orgeln. Mit Musica
Antiqua Köln har er mehrere CDs bei Deutsche Grammophon / Archiv
eingespielt. Seine Solo-Aufnahmen wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. von
Le Monde de la Musique, Diapason und der Deutschen Schallplattenkritik
(Vierteljahrespreis 2004).
www.leonberben.org