| RAMÉE |
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| O dulcis amor | ![]() |
Das 17. Jahrhundert ist eine Epoche, die erstmalig in der Geschichte Frauen ein breites Betätigungsfeld in der Musik eröffnet. Die humanistischen Ideale der Renaissance hatten der Frau einen neuen Platz in der Gesellschaft erschaffen. Baldassare Castiglione beschreibt sie uns im Libro del Cortegiano (1528) als anmutig und schön, gebildet wie der Mann in Literatur, Musik und Tanz, fähig zur Konversation, intelligent und unterhaltsam. Das höfische Leben räumte der donna di palazzo einen wahrhaften Freiraum ein. Ihre gesteigerte Rolle am Hof mag eine Erklärung für die Verfeinerung der Manieren im 16. Jahrhundert sein, die sich vor allem in der Förderung der Künste und einer Kanonisierung der Umgangsformen niederschlug. Erasmus ahnte die wahrhafte Möglichkeit eines partnerschaftlichen Glücks in der Ehe (Encomium matrimonii, 1518), und die Kultur des Neoplatonismus brachte der Frau ein Interesse entgegen, das ihren bloßen Beitrag zur Familienfortführung und Haushaltung überstieg. Hierbei handelte es sich jedoch klar um Privilegien der gesellschaftlichen Oberschicht. In der Gesinnung der christlichen Tradition war das weibliche Geschlecht entweder töricht und impulsiv oder verführerisch und untreu Objekt des Spottes oder des Misstrauens. Man hörte einen Vespasiano da Bisticci den Frauen gebieten, die zwei Gebote des Apostels Paulus zu respektieren: ihre Kinder im Glauben an Gott zu erziehen und in der Kirche zu schweigen. Die Situation der Frau am Ausgang der Renaissance war ein Kompromiss verschiedengradiger Abstufung zwischen einer konservativen und durch die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563) noch mehr versteiften christlichen Tradition und den humanistischen Bestrebungen, die Frau dem Manne als ebenbürtig zu betrachten.
Das
Ensemble LA VILLANELLA BASEL
wurde anlässlich des Luther-Gedenkjahres 1996 in Basel gegründet,
wo sich die Musikerinnen während ihres Studiums an der Schola Cantorum
Basiliensis kennen lernten. Das Ensemble ist gegenwärtig in Deutschland
angesiedelt und konzertiert in mehreren Ländern Europas. Sein Repertoireschwerpunkt
besteht in der Musik der Übergangszeit vom 16. zum 17. Jahrhundert. Entsprechend
der historischen Aufführungspraxis sind in jedem Konzert auch eigene Instrumentaldiminutionen
zu hören. Der Name des Ensembles stammt von einer alten volkstümlichen
italienischen Liedform, der villanella, welche im 17. Jahrhundert in
die Kunstmusik einging und außerordentlich beliebt wurde. Obwohl es Zufall
ist, dass alle Ensemblemitglieder Frauen sind, fühlen sich die Musikerinnen
den Komponistinnen der Barockzeit besonders verpflichtet.
Heike Pichler-Trosits, Sopran
Claudia Nauheim, Blockflöte
Irene Klein, Viola da gamba
Mechthild Winter, Virginal, Orgel
Petra Burmann, Theorbe